Mittwoch, 22. Mai 2013

Die Irisblüte im Eriskircher Ried am Bodensee


Wohl das schönste Stück des württembergischen Bodenseeufers, das noch den Zauber der Natürlichkeit und Ursprünglichkeit weitgehend bewahrt hat, ist das Eriskircher Ried zwischen der Aach- und der Schussenmündung östlich von Friedrichshafen“ schrieb der  Botaniker Karl Bertsch aus Ravensburg im Jahr 1941, und seine Worte haben auch heute noch Gültigkeit.

Silberpappeln im Eriskircher Ried

Von besonderer Schönheit sind die Auenwälder entlang der Schussen, die vorwiegend von Silberweiden geprägt sind. Wasservögel wie der Haubentaucher und die Blässralle bevölkern die Schussen und die Altwasserarme, der seltene Pirol und der Gelbspötter sind in den Auenwäldern zu hause. Ein romantisches Bild erzeugen die Weidenbestände am Ufer des Bodensees. Die Schilfbestände am Ufer sind im Sommer überschwemmt und bilden die Kinderstube für Fische und Wasservögel. Ökologisch besonders wertvoll ist die Flachwasserzone, die bis einen Kilometer in den See hinein reicht. Licht, Wärme und eine hohe Nährstoffdichte fördern hier das pflanzliche Wachstum, Scharen von Wasservögeln finden hier genügend Nahrung.                           
Erdgeschichtlich gesehen ist die Landschaft in diesem Gebiet noch jung – während der letzten Eiszeit bedeckten bis zu 500 Meter dicke Eisschichten diese Gegend. Als im Zuge der Erderwärmung vor etwa 15.000 Jahren die schmelzenden Gletscher das Bodensee-Becken hinterließen, begannen Pflanzen das Gebiet zu besiedeln.                                                        
Schon seit Jahrhunderten bewirtschaften die Menschen das Ufer des Bodensees. Sie rodeten den Großteil der ausgedehnten Auwälder und nutzten die offenen Flächen als Streuwiesen für ihr Vieh. Aus dem Schilf des Rieds wurden Matten geflochten, ab Mitte des 19. Jahrhunderts ein wichtiges Handwerk in Eriskirch.                                                                                                                       
1939 wurde das Eriskircher Ried als Naturschutzgebiet ausgewiesen, dennoch benutzen es die französischen Besatzungstruppen bis 1954 als Luftschießübungsplatz. Trotz der Ausweisung als Naturschutzgebiet war und ist das Ried gefährdet – so starb etwa das seltene, hier beheimatete “Bodenseevergissmeinnicht” in der Uferzone des Sees aus, nachdem sich ab 1960 die Wasserqualität drastisch verschlechterte. Diese ist inzwischen wieder wesentlich besser, aber die zunehmende  Isolierung des Gebietes durch Siedlungs- und Straßenbau, die intensive  landwirtschaftliche Nutzung der umgebenden Flächen. Heute ist das Eriskircher Ried ein wichtiges Erholungsgebiet sowohl für die Einheimischen als auch für die Feriengäste, das Strandbad ist im Sommer ein beliebter Ausflugsort für Familien. 
 
Die Irisblüte: ein Höhepunkt des Jahres im Eriskircher Ried   

                                                 
Am schönsten ist es im Ried von Mitte Mai bis Anfang Juni – zu Tausenden erblühen nun die blauen Sibirischen Schwertlilien, eine hier beheimatete Wildpflanze, deren Vorkommen vom Oberrhein als westliche Grenze bis nach West-Sibirien reicht. Wo sie sich wohlfühlt, auf  feuchten Streuwiesen und in Niedermooren, bildet sie stattliche Horste und große Bestände aus.                                              
Die Iris sibirica wurde von der Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung Loki Schmidt zur Blume des Jahres  2010 gewählt.  Die Bestände dieser einstmals in Deutschland stark verbreiteten Wildstaude sind durch Trockenlegungen,  frühe Mahd und die Umwandlung von Grünland in Äcker stark zurückgegangen, in vielen Regionen ist sie bereits ausgestorben. In Deutschland kommt die Art zum Beispiel im Osten von Niedersachsen im Wendland, von Hannover bis zum Nordharz,  in Sachsen oder in Mecklenburg- Vorpommern und in Baden-Württemberg vor allem in Riedgebieten am Bodensee vor. Im Eriskircher Ried hat sie sich in einem ihrer wohl schönsten und stärksten Bestände in Deutschland halten können. Die weit verbreitete Wasser-Schwertlilie bringt gelbe Tupfer in die vom Blau dominierten Wiesen, später folgen die gelben Blüten des Weidenblättrigen Alants, des Johanniskrautes und der Gelben Wiesenraute.




Das Naturschutzzentrum Eriskircher Ried 

Seit 1992 dient das Gebäude des alten Eriskircher Bahnhofs einem neuen Zweck – es beherbergt das Naturschutzzentrum Eriskirch, dem ersten  Anlaufpunkt für Besucher des Rieds. Die 2011 neu erstellte Dauerausstellung „Natur am Bodensee“ ist ganz auf Familien eingestellt. Bodensee-Fische können im Aquarium beobachtet werden, ein dreidimensionales Modell des Bodensees bietet

Eine eindrucksvolle Veranschaulichung der Unterwasserlandschaft und große Tafeln informieren über die reichhaltige Flora und Fauna. Extra für Kinder gibt es auch noch eine Leseecke zum Schmökern. Neben wechselnden Ausstellungen werden auch regelmäßig Vorträge und Seminare angeboten. Empfehlenswert sind auch die Führungen durch das Ried, hier gibt es unter anderem

spezielle Angebote für Familien mit Kindern. Ab zehn Personen sind auch Vereinbarungen für Sonderführungen möglich. Führungen zu den Brutstätten und Lebensräumen besonders seltener Tiere und Pflanzen, die diese Arten gefährden könnten, werden nicht durchgeführt. Neben dem Ziel, Kinder und Erwachsene für die Natur zu begeistern, steht doch immer die Rücksicht auf ihren Schutz im Vordergrund.

Zu den Aufgaben des Naturschutzzentrums gehört auch die “Besucherlenkung”, bei über 300.000 Besuchern im Jahr eine wichtige Maßnahme zur Erhaltung des Rieds. So auch der dringende Hinweis an alle Besucher des Rieds: bitte bleiben Sie auf den Wegen, um die Natur nicht zu (zer)stören! Es wurden zwei Plattformen zur Vogelbeobachtung am Ufer des Sees errichtet, zwei neue Lehrpfade informieren über die Besonderheiten des Naturschutzgebietes. Auch Pflegearbeiten werden vom Naturschutzzentrum aus koordiniert und durchgeführt.

Riedwiesen brauchen regelmäßige Pflege

Um die wertvollen Riedwiesen zu erhalten, müssen sie regelmäßig gemäht werden, um nicht binnen weniger Jahrzehnte zu verbuschen . Auf längere Sicht würde sich also ohne Pflegemaßnahmen wieder ein Wald entwickeln, eine Entwicklung, die man hier zum Schutz seltener Tier- und Pflanzenarten nicht zulässt. Früher waren die “Streuwiesen” wichtiger Lieferant für Einstreu in der Landwirtschaft, mit der Umstellung auf Spaltenböden in den Ställen ging ihr Wert für die Landwirte zurück. Heute werden sie größtenteils im Winter im Auftrag der Naturschutzverwaltung gemäht und abgeräumt.  
Zu den notwendigen Maßnahmen gehört auch das Zurückdrängen unerwünschter Gehölze in Streuwiesen und die Bekämpfung der aus Nordamerika und Asien eingeschleppten Kanadischen  Goldrute und dem Drüsigen Springkraut, da diese Arten Standorte seltener Pflanzen bedrohen. Außerdem werden gezielte Maßnahmen ergriffen, um besonders gefährdete Arten zu schützen. So wurden bisher mehrere kleine Tümpel angelegt und Gräben erweitert, um dort Amphibien und Wasserinsekten einen Lebensraum zu bieten. In einem Randbereich wurde eine Streuobstwiese neu geschaffen. 


Öffnungszeiten der Ausstellung
1. April - 30. September:
DI - SO und Feiertage 14:00 - 17:00, FR zusätzlich 9:00 - 12:00
1. Oktober - 31. März:
DI - DO 14.00 - 16.00 Uhr, FR 9:00 - 12.00, SO und Feiertage 14:00 - 17:00

Umfangreiche Informationen über die Vogelwelt des Bodensees sind auf der Homepage der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Bodensee zu finden. http://www.bodensee-ornis.de/
Eriskirch liegt etwa 5 km östlich von Friedrichshafen am Nordufer des Bodensees. 
Anreise:
Mit der Bahn
Von Norden erreichen Sie die Region bequem mit dem Zug von Ulm nach Friedrichshafen, von der Schweiz mit der Fähre Romanshorn – Friedrichshafen.
Mit dem Auto
Mit dem KFZ kommen Sie auf der B 31 von Friedrichshafen bzw. von Lindau rasch nach Eriskirch. Parkplätze liegen direkt beim Zentrum.
Mit dem Fahrrad
Besonders umweltfreundlich reisen Sie mit dem Fahrrad an. Das Naturschutzzentrum liegt direkt an dem internationalen Fahrrad-Rundweg um den Bodensee.

Man kann beim Naturschutzzentrum anrufen, um Auskunft über den Stand der Irisblüte zu bekommen

Kontakt:
Naturschutzzentrum Eriskirch
Bahnhofstraße 24
88097 Eriskirch
Tel. 0 75 41 - 8 18 88
Fax 0 75 41 - 8 18 99
info@naz-eriskirch.de

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