Sonntag, 24. Februar 2013

Museum der Gartenkultur Illertissen

"Vom Samenkorn zum Setzling" heisst die erste Ausstellung des neu eröffneten Museums der Gartenkultur in Illertissen

Von der Verkaufstheke für Saatgut, einer erstaunlichen Vielfalt an Geräten vom Pflanzholz und Pflanzleinen zu Hacken und Häckchen sind etwa 500 alte Gartengeräte zum Säen und Pflanzen (vorwiegend aus dem 19. und 20. Jahrhundert) zu sehen.
Der 1886 als Standartgerät zur Niederschlagsmessung eingeführte "Regenmesser nach Professor Hellmann" ist heute noch in Verwendung, das "Handhackinstrument von Rud. Sack", 1907 hoch im Kurs, mutet uns heutzutage als archaisch an. Was unter einer "Wasserstande" zu verstehen ist und wie man mit einem Stangen- oder Pfahleisen Bohnenstangen und Pfähle in den Boden getreten werden erfährt der Besucher auf dem Rundgang.
Die Exponate stammen aus dem Fundus „Gartenarsenal“ der Stiftung Gartenkultur, der mit rund 7000 Objekten in Deutschland wohl größte Sammlung dieser Art.
Konzipiert wurde die Ausstellung von dem Kurator des Museums, dem Landschaftsarchitekten Wolfgang E. Hundbiss, der die meisten der gezeigten Schätze über Jahrzehnte hinweg zusammengetragen hat.
Ausstellungsdauer voraussichtlich bis 8. September 2013




Eine kluge Investition....und eine erstaunliche Vielfalt von Gießkannenformen für verschiedene Zwecke

Überraschend, wie viele Variationen des einfachen Pflanzholzes es gibt!

Pflanzleinen von ganz schlicht bis zu interessanten Formen


Hacken anno 1907 - "Handhackinstrument von Rud. Sack", Abb. aus "Der praktische Gärtner"
Viele dieser Pflanzenkabinette sind im Außenbereich noch in Planung

Auf über 8000 Quadratmeter Fläche entstehen in den nächsten Jahren verschiedene Pflanzenkabinette mit Sammlungen von Nutz- und Zierpflanzen. Formobst, Gemüse, Beerensträucher, Haselnüsse, Rosen, Stauden, Kletterpflanzen, Sommerblumen, Seerosen, Bindeweiden, Formobst und vieles mehr wird in den einzelnen Kabinetten gezeigt werden. Die Aussicht auf ein "Picknick unter Rosenäpfeln" gefällt mir auch sehr!

Info: Das Museum ist Montag bis Samstag, jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt 3,00 Euro, bis 18 Jahren frei. Ermäßigter Eintritt (Studenten, Rentner, Gruppen ab zehn Personen) 2,50 Euro. Gruppenführung (max. 25 Personen): 25,00 Euro inkl. Eintritt, Führungsdauer ca. 30 Minuten. 
siehe auch http://www.stiftung-gartenkultur.org/jahresprogramm.html 
Fotos von der Eröffnungsfeier bei "Gartenkunst oder Wege nach Eden

Sonntag, 17. Februar 2013

Der "Rosengarten Sinneszauber" in Scheidegg

An einem der sonnenreichsten Flecken in Deutschland hat Andrea Heckmann ihren privaten Garten in ein Rosenparadies verwandelt. Auf 735 Meter Höhe wachsen die prächtigsten Rosen in einem romantischen Garten mit spektakulären Ausblicken in die Westallgäuer Landschaft und den Bregenzer Wald. Viele Urlauber und Kurgäste aus den umliegenden Kliniken nutzen das Angebot der Rosengärtnerin, die den Garten im Juni und Juli von Montag bis Donnerstag nachmittags von 14.30 bis 18.00 für Besucher öffnet. Am Wochenende gehört der Garten dann wieder ganz der Familie.
Im Eintrittspreis von drei Euro ist ein Getränk enthalten, mit dem man es sich an den zahlreichen Sitzplätzen im Garten gemütlich machen kann. Die meisten Rosen im Garten gehören zu den "Alten Rosen", die hier zu beeindruckenden Büschen herangewachsen sind.
Die erste "englische" Rose, die einmal blühende 'Constanze Spry', hat eine Seite des Hauses bis auf die Höhe des Dachfirstes erobert und hüllt die ganze Terasse in ihren würzigen Myhrreduft. Auch einige andere der Austin-Rosen haben sich in dem Klima trotz der kalten Winter bewährt - so die bekannte rosa 'Mary Rose', die gelbe 'Teasing Georgia' und die altmodisch wirkende kleinblütige 'Cottage Rose', deren Duft ein wenig an Mandeln und Flieder erinnert. 
Dieser Garten ist nicht einfach "zu besichtigen", man sollte die Zeit mitbringen ihn zu genießen. Den Namen "Rosengarten Sinneszauber" trägt er jedenfalls zu Recht.












Adresse:
Rosengarten Sinneszauber
Andrea Heckmann
Schalkenried 24
88175 Scheidegg
Tel. 08381-1670

von der Kurstraße aus kommend ist es das letzte Anwesen auf der rechten Straßenseite



Freitag, 1. Februar 2013

Der Kräutergarten in Ottobeuren




Vom Parkplatz der Basilika Ottobeuren aus deutet ein Wegweiser neben der großen Infotafel in Richtung „Pfarrheim St. Michael, Kräutergarten“. Mit wenigen Schritten erreicht der Besucher einen schönen kleinen Garten, hinter dem sich die Türme der Basilia wie zum Schutz erheben.
Hier sollte nach Wunsch der Planer ein Ort geschaffen werden, an dem sich „Göttliches und Irdisches zum Wohl der Menschen miteinander verbinden“. Der Garten soll „den Reichtum von Gottes Schöpfung mit allen Sinnen erfahrbar machen, durch Betrachten, Fühlen, Schmecken und Riechen“. Hier sollte ein Stück vom Paradies spürbar werden, ein besonderer Ort wo der Besucher Freude, Entspannung und Besinnung finden kann.




Das Konzept ist aufgegangen, denn hier kann man sich sowohl der Ruhe und Kontemplation hingeben, als auch vieles über Pflanzen erfahren, die in der Geschichte der Garten- und der Heilkunst eine große Rolle spielten.
Friedel Wille, die „geistige Mutter“ des Projektes, erklärt den Hintergrund zu diesem Gemeinschaftsprojekt. Sie hat sich eingehend mit der Geschichte der Gartenkultur in Deutschland befasst. Es waren Mönche, die etwa im siebten Jahrhundert nach Christus die Gartenkultur aus Italien in das wilde Germanien brachten. In der Regula „Ora et Labora“ des heiligen Benedikt hatte der Gartenbau eine Schlüsselrolle zur Selbstversorgung der Klostergemeinschaft. Wohin sollte solch ein Garten also besser passen als in die Nähe der Benediktinerabtei Ottobeuren mit ihrer fast 1250-jährigen Tradition?

Eine als Strauch gezogene 'New Dawn' steht im Mittelpunkt des Gartens

Ein öffentlicher Garten als Gemeinschaftsprojekt


Die Initiative ging von einigen Mitgliedern des Bund Naturschutz aus, die am Anfang mit ihrer Begeisterung für das Projekt nach und nach den Frauenbund, den Kneippverein, den Pfarrgemeinderat und die Landjugend überzeugen und in das Projekt einbinden konnten. Viel Ausdauer von Seiten der Initiatoren war nötig, um ihre Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Dr. Eleonore Hohenberger, prominente Expertin in Sachen Kräutergärten, begleitete das Projekt mit großer Sympathie. Vier Jahre dauerten die Vorarbeiten von der Idee bis zur feierlichen Eröffnung am 13. Juli 2003. Vorbild für die Anlage waren die Pläne der alten Klostergärten mit ihrer klaren Geometrie.  
Der Baumeister der Anlage ist Wendelin Schindele, der von der Anlage der Beete über die Einfassungen mit den alten Backsteinen vom Bahnhof, bis zum Brunnen, der Regenwasser aus der Tiefe zum Gießen heraufholt, vieles mit eigenen Händen in ungezählten Arbeitsstunden errichtet hat.
Inhaltlich greift der Kräutergarten Ottobeuren verschiedene Themen der Gartengeschichte auf, die in einzelnen Beeten dargestellt werden.  


Das „Hortulus – Beet


Samenstand des Diptam 
Das Hortulus-Beet des Ottobeurer Gartens wird von der Ortsgruppe Naturschutz betreut. Es ist dem Benediktinerabt Walahfried Strabo gewidmet, der im neunten Jahrhundert auf der Insel Reichenau wirkte und dort einen Garten anlegte. Sein Garten war in erster Linie ein Apothekergarten, in dem 24 verschiedene Pflanzen in ebenso vielen Beeten wuchsen. Diese beschreibt er in seinem berühmten Gedicht „De cultura hortorum“, kurz „Hortulus“, einem der wichtigsten frühen Dokumente der Gartengeschichte in Deutschland.

Alant im Hortulus-Beet
Kurios klingt die Indikation von Andorn, von Strabo als „Gegenmittel gegen Gift, das Schwiegermütter feindselig bereiten“ gepriesen wird. Der Heilziest (Stachys officinalis) sei „gegen jede Not, die den Körper innerlich angreift“, die Eberraute (Artemisia abrotanum) habe „so viele Kräfte wie haarfeine Blätter“. Der Muskatellersalbei wurde im Mittelalter zum Würzen des Weins verwendet, die Schwertlilie (Iris germanica) war sowohl Heil- als auch Zierpflanze und fand in den Klostergärten Verwendung als Altarschmuck. Zusätzlich zu den im Hortulus erwähnten Pflanzen sind auch andere in der Antike und im Mittelalter populäre Heilkräuter zu sehen. Besonderes prächtig entwickelt sich der Diptam, der in der Ernährungstherapie nach Hildegard von Bingen als Pulver gegen Arteriosklerose und erhöhte Blutfettwerte eingesetzt wird. Der Ysop wurde schon von den alten Römern verwendet, der Rote Sonnenhut (Echinacea) und die leberstärkende Mariendistel sind bis heute bewährte Mittel der Pflanzenheilkunde. Imposant ist der bis zu zwei Meter hoch wachsende Alant (Inula helenium), der schon in der Antike als Heil- und Gewürzpflanze verwendet wurde.


Die Pflanzen der Bibel
Lein im Bibel-Beet 
Dieses Beet wird von engagierten Mitgliedern der Pfarrei gepflegt. Nicht alle der rund 70 Pflanzen der Bibel sind hier dauerhaft ausgepflanzt, denn viele von ihnen wie der Granatapfel und der Olivenbaum sind hier nicht winterhart. Der Weinstock hingegen hat sich gut etabliert. Zu den einzelnen Pflanzen ist die entsprechende Bibelstelle herausgesucht und aufgeschrieben. „Mitten in der Wüste lasse ich schattenspendende Bäume wachsen: Wacholder, Myrten, Zedern und Buchsstrauch“ (Jes.41/19) liest man neben dem Buchs. Auch unbekanntere biblische Gewächse sind dabei. „Elisa setzte sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte sich den Tod. Aber ein Engel sagte ‚steh auf und iss. Du hast einen weiten Weg vor dir" (I. Kor. 19 4-7)“ steht beim Ginsterbusch. Dass auch der Lein und die Gurke, der Mohn und die Malve in der Bibel zu den „Bibelpflanzen“ zählen erfährt man auf diesem Beet.



Das Rosenbeet
Es folgt ein eigenes Rosenbeet, das wiederum vom Bund Naturschutz betreut wird. Die Sortenauswahl wurde meist nach Namen mit einem passenden Bezug getroffen, so finden sich hier zum Beispiel Sebastian Kneipp, Aachener Dom, Schwarze Madonna, Gruß an Bayern, Rosa Montana und Rosa Virgo. Als Begleiter stehen dazwischen Schmuckpflanzen, die sich gut mit Rosen vertragen wie Lavendel, Frauenmantel, Ehrenpreis und das dekorative Lampenputzergras.


Strauchrose 'Sebastian Kneipp' im Kräutergarten Ottobeuren



Die Früchte des Feldes
Als nächstes folgt die Abteilung mit dem Titel „Feldfrüchte“, während der letzten Jahre auch  in der Obhut von Wendelin Schindele. Die Bepflanzung wechselt, einige Jahre lang standen dort verschiedene Getreidesorten, dann einmal Gründüngungspflanzen wie Inkarnatklee, Phacelia und Buchweizen. Auch Kornblumen, Klatschmohn und Kamille, früher typische Begleitpflanzen in Getreidefeldern, haben auf diesem Beet ihren Platz gefunden.
Das Kneipp-Beet
Das Beet mit den typischen Kneipp-Heilpflanzen wird von Mitgliedern des Kneippvereins gepflegt. Es zeigt die ganze Vielfalt aus der „Apotheke Gottes“ mit denen sich  Pfarrer Kneipp in seiner Gesundheitslehre befasste. Dort finden sich neben anderen zum Beispiel Arnika, Baldrian, Johanniskraut, Walderdbeeren, Kamille, Thymian, Pfefferminze (Mentha piperita) und Ringelblume (Calendula officinalis). Der Geburtsort des berühmten Pfarrers liegt nur sechs Kilometer entfernt in dem kleinen Ort Stephansried.
Das Selbstversorgerbeet
Der Frauenbund hat sich mit viel Sachverstand des Themas „Bäuerlicher Hausgarten zur Selbstversorgung“ angenommen. Hier sind die Pflanzen versammelt, die traditionell in den ländlichen Bauerngärten angebaut werden. Die anfängliche Skepsis im Frauenbund war bald überwunden und machte einer großen Experimentierfreude Platz. Begeisterung weckte etwa der Anbau der „Monstranzbohnen“ mit ihrer charakteristischen Zeichnung.Wie man sie verwendet, kann man in dem Rezeptband „D’schwäbisch Kuche“ nachlesen, verfasst von Leonard Lidel und dem Pater Ägidius Kolb aus dem Ottobeurer Kloster.

Treffpunkt der Generationen

So groß die Vielfalt ist, in der es im Kräutergarten wächst und gedeiht, so unterschiedlich sind die Menschen, die sich dem Kräutergarten widmen und ihn besuchen.
Für die Senioren der Begegnungsstätte St. Elisabeth in unmittelbarer Nachbarschaft und des wenige hundert Meter weiter gelegenen St. Josefsspitals dient der Garten als beliebtes Ziel für einen kleinen Ausflug. Um den Besuch mit Rollatoren oder für Rollstuhlfahrer zu erleichtern, werden die Wege mit einem entsprechenden Belag befestigt. Bänke laden zur Ruhe und zum Verweilen ein.
Zwei Kindergruppen des Bund Naturschutz, die „Marienkäfer“ und die „Füchse“ sind mit ihren Leiterinnen Martina Hühner, Iris Schäck und Sarah Scharpf auch regelmäßig in dem Garten aktiv. So geht es manchmal laut und fröhlich zu, wenn die Kinder ihre bunten Beete mit viel Fantasie und Kreativität gestalten. Zu dem Bereich der Kindergruppen gehört auch das „Insektenhotel“.An sonnigen, warmen Tagen herrscht dort ein reges Treiben und manchmal dauert es eine Weile, bis eine Wildbiene die passende Unterkunft für ihren Nachwuchs gefunden hat.

Programm für Besucher
Für die Gäste der Jugendherberge in Ottobeuren werden „Kräutereien“ im erlebnispädagogischen Programm angeboten.
Führungen zur Geschichte und zur Bedeutung des  Kräutergartens können über das Touristikamt im Haus des Gastes gebucht werden.

Übrigens: wer die kleine Truppe der fleißigen Gärtnerinnen vor Ort bei ihrem wöchentlichen Einsatz verstärken will, ist gerne willkommen! Der Kontakt zur Ortsgruppe Bund Naturschutz kann über das Touristikamt im Haus des Gastes hergestellt werden.






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